Über Vide_o_drom II

Seit jeher gehört der Großteil der Roma in ihren Herkunftsländern Südost- und Osteuropas zur untersten Schicht der Gesellschaft. Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs versorgte die Staatsmacht die meisten von ihnen mit Arbeitsplätzen und Wohnungen. Mit dem Ausverkauf der Staatsbetriebe waren sie die Ersten, die entlassen und delogiert wurden und jegliche soziale Absicherung verloren. Bald fanden sie sich in Slums an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Seit dem ersten Vide_o_drom 2009 haben sich die katastrophalen Lebensbedingungen der Roma weiter verschlechtert. Im Zuge der neugewonnenen Reisefreiheit innerhalb der EU wird ihre Armut nun auch in unseren Städten sichtbar. Bettelverbote, Abschiebungen, Negierung ihrer Grundrechte, mediale sowie politische Hetze prägen den Umgang mit den ArmutsmigrantInnen. Rassistisch motivierte, gewalttätige Übergriffe, wie wir sie erst kürzlich auch in Salzburg erleben mussten, häufen sich europaweit.

Mit dem Dokumentarfilmfestival Vide_o_drom II steuern wir dieser besorgniserregenden Entwicklung entgegen. Das vielfältige Dokumentarfilmprogramm mit 15 Filmen aus 11 Ländern zeichnet ein differenziertes Bild der Roma. Die Filme machen die Menschen und ihre Lebensumstände sichtbar. Zum einen handeln sie vom Leben im Slum und diskriminierenden Existenzbedingungen (Aus dem Leben eines Schrottsammlers, Belleville, Our School, Stille Post), von Vertreibung, Abschiebung und Gewaltexzessen (Never Back Home, Willkommen zuhause, Suspino, Just The Wind) sowie der Situation der Frauen (The Pink House, A Village Romance). Zum anderen zeichnen sie selbstbestimmte Bilder, die nicht den gängigen Stereotypen entsprechen (According to DavID, Me My Gypsy Family and Woody Allen, Die bessere Seite, Amaro Drom).

Verschränkt mit dem Filmfestival gibt es ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm mit Informationen und Beiträgen aus Wissenschaft und Praxis. Ein Stadtspaziergang führt zu den Spuren von Roma und Sinti, die dem NS-Regime zum Opfer fielen. Podiumsgespräche zu EU-Politik, „Betteltourismus“, Sexarbeit und dem Umgang mit Diskriminierung eröffnen einen Diskurs über Gestaltungsmöglichkeiten von Politik und Gesellschaft in Salzburg und laden zu einem wissensgeleiteten Umgang ein. Das Erzählcafé bietet Einblicke in die Lebenssituation der Roma in Ungarn. Abgerundet wird das Veranstaltungsprogramm durch einen Marktstand mit Produkten aus Roma-Kooperativen und ein Fest zur Gründung des Salzburger Vereins Phurdo – Roma Zentrum für Integration. Besonders erfreulich ist, dass eine Vielzahl Salzburger Organisationen, zusammengefasst in der ARGE ROMA, hinter diesen gemeinsamen Aktivitäten gegen die herrschenden menschenverachtenden Zustände steht.

Studio West. Independent Film / Salzburg 2013

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